Ein Praktikumsjahr im Jugendkloster

Frater Michael Klee OMI ist Scholastiker. Das bedeutet, er ist ein Oblate in der Ausbildung. Normalerweise absolviert er sein Theologiestudium in Rom und lebt im Ausbildungshaus der Mittelmeer-Provinz in Vermicino. Zurzeit hat er aber das mediterrane Klima gegen seine osthessische Heimat eingetauscht und macht sein Pastoralpraktikum im Jugendkloster in Fulda. Er erzählt, wie der Alltag in der Jugendkommunität „Mario Borzaga“ aussieht, was er in der Pastoral erlebt und wie es ihm damit geht.

Es ist 6:30 Uhr in der Früh und der Wecker klingelt. Ab ins Bad und fertig machen. Unter der Woche beginnen wir um 7.15 Uhr mit dem gemeinsamen Morgengebet, den Laudes in der kleinen Hauskapelle. Im Anschluss halten wir gemeinsam ca. eine halbe Stunde Betrachtung, d.h. eine stille Gebetszeit. Jeder gestaltet diese Zeit nach seinem Ermessen mit Gebet oder Meditation. Im Laufe des Tages sucht sich jeder eine weitere Zeit zum persönlichen Gebet. Das ist wichtig, denn am Beginn einer jeden Mission steht das Gebet und damit die Verbindung zu Gott.

Wir schließen danach gegen 8 Uhr mit dem „Engel des Herrn“ ab. Danach macht sich jeder sein Frühstück zurecht. Je nachdem was der Terminkalender vorgibt, bricht der ein oder andere auch schon früher auf.

Besonders wenn Tage religiöser Orientierung mit Schulklassen auf dem Programm stehen, muss man kurz nach 8 aus dem Haus. Diese dauern zwei volle Tage und einen Vormittag, so dass man die Mitbrüder erst am Abend wieder trifft. Meistens finden diese Tage in den Bildungshäusern des Bistums statt. Sie bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich eine Auszeit aus dem stressigen Schulalltag zu nehmen. Gemeinsam mit ihnen arbeiten wir dann an Themen wie Berufsorientierung, die eigenen Talente entdecken und entfalten, sowie Gemeinschaft bauen und Konflikte lösen. Oft geht es auch um religiöse Themen, wie die Frage nach Gott und dem Leid, nach sinnerfülltem Leben oder ganz konkrete Anfragen an Glaube und Kirche. Dazu gibt es Gesprächsrunden mit Priestern und Ordensleuten, die dann Rede und Antwort stehen. Nicht zuletzt ist da auch unser persönliches Zeugnis gefragt.

Liegen die Aufgaben tagsüber eher auf den Schreibtisch, trifft man sich in der Regel um 12.30 Uhr zum Mittagessen. Das muss natürlich vorbereitet werden. Derjenige steht dann je nach Rezept zwischen einer halben und einer Stunde vorher in der Küche. Gemeinsame Mahlzeiten sind uns wichtig, weil man sich hier entspannt über die aktuellen Dinge in Kirche, Politik und Welt unterhalten kann. Nach dem Essen wird gemeinsam die Küche aufgeräumt und der Abwasch gemacht. An Tagen, an denen man keine Termine außerhalb hat, kann man auch hin und wieder die Hausarbeit mit einbauen: waschen, bügeln, putzen. Es gibt keine festen Dienste und so bringt sich jeder ein, wie er kann.

Nachmittags und abends finden oft Onlinetreffen statt. Entweder Sitzungen, um Dienstpläne zu erstellen, Veranstaltungen zu planen oder spirituelle Treffen, wie das Bibelteilen mit jungen Erwachsenen aus ganz Deutschland. Die Angebote sind vielfältig und unterschiedlich in Umfang und Durchführung. Wenn es die Zeit zulässt kann natürlich jeder auch seinem Hobby nachgehen und Sport machen.

Ab und zu kommen Menschen zu Gesprächen ins Haus, zur geistlichen Begleitung, Beichte oder aus anderen Gründen. Es ist uns wichtig jeden Menschen herzlich willkommen zu heißen.

Die heilige Messe findet täglich statt, jedoch immer an unterschiedlichen Orten und zu anderen Zeiten. Mal in einer der Kirchen der Pfarrei St.Lioba hier vor Ort entweder vormittags oder abends oder als Hausmesse in unserer kleinen Kapelle. Danach beten wir, wenn möglich, gemeinsam die Vesper und gehen anschließend zum Abendessen über. Von Zeit zu Zeit kommen gute Bekannte zu uns und verbringen mit uns einen schönen Abend mit heiteren Gesprächen. Sehr beliebt sind auch Abende, an denen wir die ein oder andere Runde Skat oder ein anders spannendes Spiel spielen. Dabei kommen auch Ideen für Mission und Pastoral zustande. Und in geselliger Runde bei einem Glas Bier oder Wein lässt man den Tag ausklingen. Alles in allem sind die Tagesabläufe sehr unterschiedlich und doch gibt es feste Punkte, die das ganze gut einrahmen.

Ich bin froh und dankbar, dass ich mein Praktikum hier in Fulda absolvieren und so unsere „Mission mit der Jugend“ hautnah miterleben darf.

Frater Michael Klee OMI

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