Fasten – ein Interview

Jedes Jahr bereiten wir uns mit der 40-tägigen Fastenzeit auf Ostern vor. Die Fastenzeit heißt eigentlich „österliche Bußzeit“ und damit verbunden sind, neben dem bewussten Verzicht, auch das Gebet und die tätige Nächstenliebe. Viele Menschen nehmen sich in der Fastenzeit vor, sich gesünder zu ernähren oder mehr zu beten. Ich habe mit den beiden Gymnasialschülern Jakob (17) und Karolin (19) über das Fasten gesprochen. Auf was sie in diesem Jahr verzichten und warum sie es tun, erfahrt ihr heute auf unserer Jugendseite. Euch allen wünsche ich, egal ob ihr fastet oder nicht, eine gute Vorbereitung auf Ostern!

Die Fastenzeit steht vor der Tür. Fastest du in diesem Jahr und wenn ja auf was?

Karolin

Ja, ich nehme mir meistens etwas vor. Ob ich es durchziehe, das kann ich noch nicht genau sagen. In diesem Jahr möchte ich etwas machen, von dem ich aber weiß, dass ich es schaffen kann. Zum einen möchte ich gerne ein Intervallfasten machen, also 16 Stunden am Stück fasten und nichts essen und meine Mahlzeiten auf die verbleibenden acht Stunden aufteilen. Ich möchte außerdem versuchen, meinen Medienkonsum zu reduzieren. Damit meine ich, nicht ganz auf Social Media zu verzichten, aber eben weniger auf mein Smartphone zu schauen. Auch für das Gebet möchte ich mir bewusst jeden Tag Zeit nehmen.

Jakob

Jedes Jahr nehme ich mir vor, auf Softgetränke zu verzichten. Das sagt sich so leicht, aber gerade, wenn ich bewusst darauf verzichte, bekomme ich extrem Lust darauf. Beten möchte ich auch mehr. Das geht im stressigen Schulalltag oft unter. Intervallfasten wäre übrigens gar nichts für mich.

Was bedeutet für dich Fasten? Warum ist dir das eigentlich wichtig?

Jakob

Es geht ja nicht unbedingt darum, dass ich einfach auf irgendetwas verzichte, sondern dass ich es bewusst tue. Es muss auch nichts sein, was mir besonders schwerfällt. Viel wichtiger finde ich, dass es mir auffällt. Es geht glaube ich darum, dass nicht immer alles da sein muss. Es sollte nicht selbstverständlich sein, immer alles sofort verfügbar zu haben. Da ist das Fasten auch so eine Art Impulskontrolle. Nur weil ich etwas haben kann, heißt es nicht, dass ich es auch haben muss.

Karolin

Ich sehe das auch so. Es geht um eine bewusste Entscheidung. Ich kann mich in dieser Zeit auch mit mir selbst auseinandersetzen, mit meinen Gewohnheiten, um dann festzustellen, was ich wirklich brauche. Es ist für mich auch eine Zeit, um zur Ruhe zu kommen und mich auf Ostern vorzubereiten. Die 40 Tage sind auch ein guter Zeitraum, um mal etwas auszuprobieren, was ich mir auch für länger vorstellen könnte. Die Fastenzeit ist dann so eine Art Trainingsphase.

Wie würdest du sagen, verändert Fasten deine Beziehung zu Dir, zu deinen Mitmenschen, zu Gott?

Karolin

Auf jeden Fall verändert es meine Beziehung zu mir selbst. Das ist auch ein Ziel, das ich gerne erreichen möchte. Ich glaube, dass ich meinen Körper besser verstehen lernen kann, auch um mir klar zu werden, was tut mir gut und was weniger. Für meine Mitmenschen könnte Fasten auch eine Belastung sein, da andere aushalten müssen, dass ich faste. Positiv ist aber, dass andere sich für mich freuen, wenn ich meinen Fastenvorsatz durchgezogen habe. Ich hoffe, dass sich auch in meiner Beziehung zu Gott etwas ändert, dass ich ihm näherkommen kann. Daran möchte ich wirklich arbeiten!

Jakob

Ich finde den Gedanken der Impulskontrolle wirklich wichtig. Ich kann zu meinem Körper auch mal „Nein“ sagen und muss nicht jedem kleinen Wunsch meines Körpers sofort nachgehen. In meiner Beziehung zu Gott ist es die bewusste Suche nach Ihm. Ich nehme mir Zeit für Ihn, bete und versuche so auch Seine Gegenwart in meinem Leben wahrzunehmen.

Welchen Tipp hast Du für junge Menschen in Bezug auf die Fastenzeit? Was ist wichtig?

Jakob

Nicht abschrecken lassen! Am Besten nimmt man sich nichts zu Radikales vor, was man am Ende sowieso nicht schaffen kann oder was einem super schwer fällt. Man muss einfach anfangen und zwar mit etwas Leichtem. Wenn man dann Erfolg hat, kann man sich etwas Schwierigeres vornehmen. So kann ich auch gut herausfinden, auf was kann ich fasten, was tut mit gut und was bestärkt mich darin, zu fasten. So habe ich auch wirklich etwas davon.

Karolin

Ich denke, es ist wichtig, sich das Ziel vor Augen zu führen. Sich kleine Pausen zu gönnen finde ich auch wichtig, genauso, wie sich mit etwas zu belohnen, um motiviert zu bleiben. Und was ich ganz wichtig finde: wenn man mal einen Tag schwach geworden ist, nicht zu denken, dass Fasten nichts bringt und es dann ganz zu lassen, sondern weiterzumachen und nicht aufzugeben.

Was antwortest du Leuten, die dir sagen, dass Fasten nichts bringt?

Karolin

Ich würde ihnen sagen: wenn du denkst, dass fasten nichts bringt, dann willst du vielleicht nicht, dass es dir etwas bringt. Denn ich denke, man muss wollen, dass es etwas bringt. Wenn man etwas wirklich möchte, sieht man am Ende auch den Effekt.

Jakob

Wenn ich mich bewusst auf das Fasten einlasse, dann bringt es auch was. So einfach ist das.

Das Interview führte P. André OMI

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