Freiheit bieten und Möglichkeiten sichtbar machen

Pater Patrick Vey ist das neue Mitglied des Jugendklosters in Fulda. Damit ist er zurück in seiner Heimatstadt. Zuvor studierte er katholische Theologie in Rom, wo er im kirchlichen Recht sein Lizenziat mit „summa cum laude“ abschloss. Das ist vergleichbar mit einem Doktortitel mit der Note „sehr gut“. Mit dreißig Jahren beginnt für ihn im Jugendkloster ein neuer Lebensabschnitt, auf den er sich besonders freut.

Vor kurzem bist Du vom Studium in Rom ins Jugendkloster gekommen. Bestimmt ist das nun ein ordentliches Kontrastprogramm zum studentischen Arbeiten, oder?

Es ist schön hier zu sein. Ich freue mich jetzt darauf hier in der Umgebung die erste Sonntagsmesse halten zu können und auf die Jugendarbeit. Letztere ist mir besonders wichtig. Mein Terminkalender hat schon einige Eintragungen. Auf der einen Seite liegt das daran, dass wir ein tolles Angebot an die Jugendlichen richten möchten und auf der anderen daran, dass die Corona-Einschränkungen spürbar nachlassen. Gottesdienste sind wieder besser möglich und hier und da gibt es zum Beispiel eine Taufe.

Für mich persönlich waren meine sechs Jahre in Rom toll. Vor einigen Wochen bin ich nach Fulda gezogen und jetzt ist es ein ungewohntes Gefühl, die Mitbrüder, die zu Freunden geworden sind, nicht mehr so ohne Weiteres sehen zu können. Die Gemeinschaft in Rom war großartig.

Hier im Jugendkloster bewegt sich einiges. Wir sind ein frisches und dynamisches Team, das sich gerade strukturiert. Ein Teil davon ist beispielsweise die Arbeitsteilung: Wer ist worin gut? Was tun wir gerne und was nicht so sehr? Das spielt sich im Team, das aus Pater Bartek (Leiter des Jugendklosters & Berufungsarbeit), Pater André (Jugendseelsorge) und mir (Ökonom & Ordensausbildung) besteht, gerade ein.

Wir sind ein Jugendkloster und wir möchten, dass die Jugendlichen das auch spüren. Es geht um sie.

Wie war das eigentlich bei Dir? Wann wusstest Du, dass Du dich voll deinem Glauben widmen möchtest?

Nunja, so klar war das alles nicht. Mein erster Eindruck damals war „Auf keinen Fall!“. Da war ich 16 Jahre alt und besuchte zum ersten Mal ein Oblatenkloster. Das war in Hünfeld. Schrittweise hat sich meine Meinung dann geändert.

Mit 17 Jahren dachte ich, dass es vielleicht doch eine Option für mich ist und mit 19 war mir dann etwas klarer, dass es mein Weg ist. Zu dieser Zeit traf ich Pater Wolf. Ich fand es einfach cool wie er die Jugendarbeit dynamisch gestaltet hat.

Daneben war es schön und inspirierend andere Leute in meinem Alter zu treffen, die vergleichbare Fragen und Interessen hatten wie ich. Durch die Oblaten habe ich einen Einblick in die Welt und das Leben von Novizen bekommen. Das gab mir einen differenzierteren Blick darauf, was es bedeutet diese Idee vom Leben eines Priesters umzusetzen. Diese Begegnungen, die unter anderem im Jugendkloster stattfanden, waren aktiver als sich das jetzt erstmal anhört. Wir haben natürlich viel gesprochen, aber wir waren auch viel unterwegs. Neben Runden zu bestimmten Themen gab es Wanderungen, Gebete oder gemeinsames Kochen.

Kirche ist viel mehr als nur frommes Beten. Kirche bedeutet an erster Stelle Gemeinschaft, Gemeinschaft im Glauben. Im Jugendkloster wollen wir genau diese Gemeinschaft eröffnen und Anschlussmöglichkeiten schaffen. Das ist mir sehr wichtig. Manch ein Jugendlicher, wenn er Jugendkloster hört, denkt nicht selten an einen dunklen Ort, eine kleine Kapelle, wo wir Priester hauptsächlich beteten, Buße täten und Dingen wie Alkohol „Leb wohl!“ gesagt hätten.

Ihr dürft also Bier oder Wein trinken?

Natürlich dürfen wir das. Wir haben sogar Urlaub und halten mit unseren Familien Kontakt. Ich mache zum Beispiel Kraftsport, was auch nicht das Erste ist, das von einem Priester erwartet wird. Vorurteile gibt es überall. Als Priester bilden wir da keine Ausnahme. Es gibt also vieles zu Entdecken.

Offen über Gott bzw. über seine Religion zu sprechen, fällt nicht jedem leicht. Gerade Jugendliche sind da sehr feinfühlig, oder?

Ich kann nachvollziehen, wenn Jugendliche auf eine gute Atmosphäre warten, um über Religion zu sprechen. Alles hat seine Zeit und seinen Ort. Gerade bei Jugendlichen in der Firmvorbereitung kann der Eindruck entstehen, dass es erwünschte Antworten gäbe. Oft wird erst schrittweise frei die eigene Meinung geäußert. Hier ist es, denke ich, wichtig zu signalisieren, dass offen und vorurteilsfrei gesprochen werden kann. Fragen sind willkommen. Dinge brauchen Zeit zum Wachsen. Und Jugendliche sind nun mal genau in dieser Phase ihres Lebens, in der sie auf den Inspirationen ihrer Umwelt sich selbst aufbauen. Das wollen wir im Jugendkloster positiv unterstützen, indem wir Angebote schaffen, die viel Freiheit bieten und Möglichkeiten sichtbar machen.

Pater André, Pater Patrick und Pater Bartek sind das Team des Jugendklosters in Fulda.

Bei Deiner Arbeit im Jugendkloster fließen also Perspektiven aus Deiner eigenen Jugendzeit mit ein?

Ja, absolut. Als ich jung war, habe ich von den Oblaten ein ganz anderes Bild von Kirche erfahren. Dabei ist mein Ziel natürlich diesen Eindruck heute wieder zu vermitteln: Ordensleben kann dynamisch und jung sein. Wir haben Freude am Glauben und an Kirche. Hier gibt es einen Ort der Begegnung und des Austauschs. Ich glaube, dass es sehr wertvoll für Jugendliche sein kann, sich über christliche Themen auszutauschen. In dieser sich immer stärker digitalisierenden Welt werden die persönlichen Kontakte immer wertvoller.

Gibt es etwas, das du bei deiner Arbeit besonders vermitteln möchtest?

Es lohnt sich, sich mit dem eigenen Glauben und Kirche zu beschäftigten. Es geht dabei um Sinn-Fragen und nicht um das versauern in Gebäuden. Jesus will, dass wir glücklich sind. Es geht um Freude, die nicht nur kurz da ist, sondern um ein Verständnis, dass das eigene Leben und das von anderen besser macht. Es gibt mehr zu entdecken als die Dinge, die wir sofort sehen und greifen können. Wenn wir uns als einzelne Personen oder als Gesellschaft nur auf Leistung beschränken, verliert sich das, was das Leben wertvoll macht. Wer sich zu sehr stresst, verliert den Blick für das, was das Leben schön und bereichernd macht. Es gibt immer neues zu entdecken.

Die Fragen stellte Alexander Schneider

Das kirchliche Recht wird auch kanonisches Recht genannt, da die einzelnen Abschnitte traditionell als „Canones“ bezeichnet werden. Dieses lateinische Wort heißt so viel wie Regel, Ordnung. Die römisch – katholische Kirche hat mit dem Codex Juris Canonici (Insider nennen ihn nur CIC) ein eigenes Gesetzbuch. Das Kirchenrecht regelt nicht nur den Aufbau und die Strukturen der Kirche, sondern auch die Rahmenbedingungen für die Sakramentenspendung. Besonders bedeutsam für viele Gläubige ist das Eherecht.

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