Oblatinnen: Ordensleben kann jung

Die Oblatin Kristin Leister (41) lebt mit ihren Ordensschwestern in Burlo bei Borken. Die gebürtige Röhnerin – an der Grenze zu Hessen und Bayern – ist seit 2005 in der Ordensgemeinschaft. Vor ihrem geistlichen Leben schloss sie eine Ausbildung ab und studierte. Dann fand sie ihren Weg durch Freundinnen nach Spanien in das damals einzige Oblatinnenkloster.

Wie kamst du zu den Oblatinnen? Was hat dich auf deinem Weg dorthin inspiriert?

Es begann in der Zeit als ich noch in Hünfeld gearbeitet habe. Ich war gerade 22 Jahre alt, als ich die Welt der Oblaten entdeckte. Dort lernte ich auch zwei Freundinnen kennen, die inzwischen Mitschwestern sind. Eine von diesen, Schwester Katharina, war zu diesem Zeitpunkt bereits in Spanien gewesen, wo es ein Oblatinnenkloster gibt. Das war mir damals noch total unbekannt. In dieser Zeit arbeitete ich als Steuerfachangestellte und merkte einfach, dass diese Arbeit nicht die Richtung ist, die ich dauerhaft einschlagen wollte. Wenig später entschied ich mich dann für das religionspädagogische Studium. Irgendwann aber fuhren wir dann in das besagte Oblatinnenkloster. Und da war ich erstmal überrascht, weil es nun eben nicht nur ältere Frauen waren, sondern viele junge Menschen: vor kurzem ist die älteste 45 geworden und die Jüngste ist inzwischen 26. Unser erster Besuch im September 2003 hatte mich schon ehrlich fasziniert. Da habe ich festgestellt, dass ich mir diesen Lebensentwurf gut vorstellen kann.
Ein Erlebnis, das mich geprägt hat, war der Weltjugendtag in Toronto. Danach lernte ich die OMI-Jugendgruppe kennen. Ich wuchs in meinem Glauben und lernte das erste Mal wirklich kennen, wie das ist mich über meinen Glauben auszutauschen. Ab diesem Zeitpunkt wurde der Glaube für mich immer wichtiger. Langsam stellte sich für mich heraus, dass ich mir ein Leben im Kloster vorstellen konnte.

Was zeichnet die Oblatinnen aus?

Aus meiner Sicht sind wir lebensfroh, wollen nah am Menschen sein und bemühen uns um die Kirche. Von außen betrachtet, gerade wenn es um die Schüler geht, gibt es da natürlich erstmal andere Vorstellungen. Als wir uns mit den Schwestern 2017 hier in Burlo niederließen und ich am Gymnasium Mariengarden als Lehrerin tätig wurde, kam nach kurzer Zeit eine Schülerin zu mir: „Also wir dachten, dass ihr hier bei den Oblaten im Kloster wohnt, wo ihr die ganze Zeit betet. Und wenn ihr dann mal Freizeit habt, dann unterrichtet ihr hier.“ Unser Leben als Oblatinnen ist natürlich vielschichtiger.

Wie sieht so dein Tag bei den Oblatinnen aus?

Oh, das ist schwierig, weil sich immer etwas tut. Während Corona ist aber alles etwas planbarer. Häufig gehen wir ins Oblatenkloster für die Frühmesse und beten anschließend die Laudes. Kathrin und ich beginnen im Anschluss unseren Unterrichtsalltag als Lehrerinnen. Momentan zeigt sich dieser vor Allem im Onlineunterricht und dessen Vorbereitung. Neben der Arbeit wartet zuhause dann das übliche wie etwa der Haushalts- und Kochplan. Nachmittags ist jeder von uns mit seinen Aufgaben und Projekten beschäftigt. Eines meiner Projekte ist beispielsweise der regelmäßige Besuch eines Altenheims mit Schülern. Durch die Pandemie müssen wir das leider hintenanstellen. Online können wir aber mit Jugendlichen Kontakt halten. So finden über Video zum Beispiel circa einstündige Treffen im Rahmen von OMI-Kids und ähnlichen Gruppen statt. In meiner übrigen Zeit bin ich gerne mit einem Kaffee auf unserer Dachterrasse, gehe laufen, wandern oder Fahrrad fahren. Und hier und da spiele ich Gitarre. Abends haben wir mit den Schwestern ein gemeinschaftliches Gebet, wo wir zusammen vor Gott kommen. Hinzu kommen dann das Abendgebet bzw. die Vesper.

Wie ist euer Austausch unter den Schwestern? Wie geht ihr mit Streit um?

Es ist wichtig im Austausch zu bleiben. Wir setzen uns, wie schon in Spanien, einmal im Monat zusammen, machen eine „Wie geht’s mit Runde“. Sonntags abends sprechen wir über Termine oder sprechen Dinge an, die wir verbessern können. Es ist wichtig, dass Schwierigkeiten angesprochen werden. Wir ordnen zudem jedes Jahr unsere Prioritäten. Dabei schauen wir, wie wir unsere Ziele umsetzen können. Wir glauben, dass ein gut funktionierendes Gemeinschaftsleben wichtig für unsere Mission ist.

Was ist für dich bei deiner Arbeit zentral? Was macht dir Spaß?

Mir ist die Begegnung mit anderen Menschen wirklich wichtig. Die Pandemie schränkt vieles ein, aber wir geben uns Mühe aus der Situation das Beste zu machen, das möglich ist. Es gibt, wenn wir mal auf die Schule schauen, neben den Corona bedingt ungünstigen Entwicklungen auch positive. Die sollten nicht verdrängt werden. Ein positives Beispiel ist meiner Meinung, dass sich bestimmte Schüler öffnen, die das – aus welchem Grund auch immer – vorher nicht getan haben. Hierauf kann in der Schule aufgebaut werden. Das ist super. Wenn es um das gemeinsame Miteinander mit den Schülern und Schülerinnen geht, ist zu sagen, dass da natürlich eine andere Generation vor mir steht. Deshalb ist es mir wichtig offen zu sein, wenn sie etwas mit mir teilen möchten. Auf YouTube habe ich so schon ein paar interessante Kanäle kennengelernt. Wenn ich etwas weiterempfehlen müsste, wären das die „The Real Life Guys„. Da waren schon ein paar Lacher dabei.

Was würdest du gerne insgesamt verändern, wenn du es könntest?

Als erstes fallen mir Umweltthemen ein, die denke ich wirklich drängend sind. Mir gefällt, dass der Papst hierzu in „Laudato si“ schon Stellung bezogen hat. Was mir aber besonders wichtig ist, ist, dass die Kirche wieder eine positivere Außenwahrnehmung bekommt und glaubwürdiger wahrgenommen wird. Ich glaube, dass das wesentliche Dinge sind, die entscheidend bleiben, damit die Heilsbotschaft für viele Menschen erfahrbar wird. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.

Das Interview führte:
Alexander Schneider

Fotos:

Alexander Schneider

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