Muss ich weinen?

Fragen und Antworten rund um Tod und Trauer

Vielleicht hast du schon einmal erlebt, dass ein Mensch gestorben ist, der dir nahe steht, oder du kennst andere Situation, in denen du mit Tod und Trauer konfrontiert warst. Viele Menschen werden dann unsicher und fragen sich, wie sie sich “richtig” verhalten. Wir haben ein paar Fragen beantwortet, die mit diesem Thema zu tun haben.

Ist es normal, dass ich seltsame Gefühle habe?

Kurz und knapp: ja. Oder besser: es gibt keine seltsamen Gefühle. Wie ein Mensch auf einen Verlust reagiert und welche Gefühle er dabei hat, ist etwas ganz individuelles. Und es verändert sich im Laufe der Zeit. Ist man im ersten Moment noch geschockt und völlig durch den Wind, will man es vielleicht danach gar nicht glauben und die wirkliche Trauer kommt erst später. Der eine kann gar nicht aufhören zu weinen, jemand anders fühlt sich vielleicht gar nicht wirklich traurig. Manchmal wird man auch wütend – auf die Umstände, auf Gott, auf die Ärzte, sogar manchmal auf den verstorbenen Menschen selbst.

Wichtig: nichts davon ist „falsch“. Es sind deine Gefühle und die darfst du haben. Es kann hilfreich sein, diese Gefühle auch raus zu lassen, sie zu äußern oder irgendwie nach außen zu bringen. Darüber reden hilft. Aber was, wenn du das nicht möchtest oder gerade im Moment nicht kannst? Dann probiere etwas anderes: mal ein Bild, schreib einen Brief, mach etwas Kreatives, wo du diese Gefühle hineinpacken kannst.

Muss ich bei der Beerdigung oder Trauerfeier weinen?

Bei der Beerdigung und der Trauerfeier gibt es viel Unsicherheit. Wie verhalte ich mich da richtig? Schauen jetzt alle auf mich? Was ist, wenn ich nicht weinen muss? Oder wenn ich gar nicht aufhören kann zu weinen? Muss ich da wirklich allen die Hände schütteln?

Gerade, wenn ein enger Angehöriger verstorben ist, steht man bei der Beerdigung auch etwas im Mittelpunkt – aber du kannst dir sicher sein: alle anderen kennen eine solche Situation. Niemand wird schauen, ob du „alles richtig machst“. Im Gegenteil, ich denke, es wird jeder Verständnis dafür haben, wenn du selbst nicht weißt, wie du dich verhalten sollst. Die Beerdigung ist ein Moment, an dem du deine Gefühle zeigen darfst. Wenn du weinen musst, dann tu es und wenn nicht, dann nicht. Dafür musst du dich weder rechtfertigen noch dir Sorgen machen, was die anderen über dich denken.

Viele Menschen tun sich übrigens schwer damit, kurz nach der Beerdigung vielen Menschen die Hand zu schütteln. Ich finde, es kann auch guttun, zu merken, dass es andere gibt, die ebenfalls traurig sind. Und wenn sie nach der Beerdigung zu den Angehörigen kommen und ihnen das Beileid aussprechen, dann zeigt es doch auch, dass sie ihnen Kraft wünschen und irgendwie da sein wollen. Und auch hier gilt: wenn du nichts sagen kannst oder willst, dann tu es nicht. Ein kurzes „Danke“ reicht völlig. Das versteht jeder.

Andererseits kann man auch verstehen, wenn du das alles nicht möchtest. Wenn du nicht am Grab stehenbleiben willst, dann tu es nicht. Schnapp dir jemand, mit dem du nicht reden musst und macht gemeinsam einen Spaziergang.

Wie kann ich mit meinen Eltern umgehen?

Wenn ein naher Verwandter verstorben ist, dann ist das auch für deine Eltern eine schwierige Situation. Auch sie kämpfen mit ihren Gefühlen – und sollen gleichzeitig noch alles Nötige für die Beerdigung organisieren. Da kann es passieren, dass sie nicht so für dich da sind, wie du es vielleicht gerne hättest. Wahrscheinlich stellen sich deine Eltern ähnliche Fragen wie du, zum Beispiel in Bezug auf die Beerdigung. Auch sie wollen nichts falsch machen und fragen sich, wie sie sich „richtig“ verhalten.

Was kannst du in so einer Situation tun? Vor allem: achte auf das, was du selbst brauchst. Du möchtest reden? Sag es. Du möchtest in Ruhe gelassen werden? Sag auch das. Du möchtest zur Beerdigung, aber nicht zum Trauerkaffee im Anschluss? Sag es deinen Eltern. Wichtig ist: redet über eure Bedürfnisse. Niemand kann ahnen, was die anderen brauchen, wovor man Angst hat, was einen verunsichert. Wahrscheinlich haben auch deine Eltern keine Antworten auf alles, vielleicht lässt sich auch nicht alles umsetzen, was du dir wünschst, aber es ist hilfreich, dass die anderen wissen, was in dir vorgeht.

Und wenn es Streit gibt und „knallt“? Auch das kann passieren. Schließlich liegen Gefühle blank und alle stehen unter Stress. Vergiss nicht, dass es den anderen so ähnlich geht, wie dir und versuche, es nicht persönlich zu nehmen.

Ist mit dem Tod alles vorbei?

Die christliche Botschaft und unser Glaube sagen ganz klar: mit dem Tod ist nicht alles aus. Das Leben geht weiter. Nicht in der Form, die wir kennen, aber es geht weiter. Deswegen ist es nicht weniger traurig und schmerzhaft, wenn ein Mensch stirbt. Trauer darf sein und muss es auch. Wir dürfen aber darauf hoffen und daran glauben, dass die Menschen, die verstorben sind, bei Gott aufgehoben sind und dass wir uns bei Gott wieder begegnen. Wie das genau aussieht, können wir nicht genau wissen. Der Apostel Paulus schreibt in seinen Briefen, dass das Leben nach dem Tod ist, wie die Pflanze, die aus dem Samenkorn wächst. Man kann zwar ahnen, wie es aussieht, aber es wird viel größer und schöner, als wir uns das vorstellen können.

Wer kann mir weiterhelfen?

In jedem Fall ist es wichtig, über das zu reden, was in dir vorgeht. Das gilt innerhalb der Familie, aber es ist auch wichtig, jemanden zu haben, der selbst nicht so sehr von dem Verlust betroffen ist. Ein guter Freund oder eine gute Freundin zum Beispiel. Es kann aber, gerade in solch schwierigen und schmerzhaften Situationen auch gut sein, mit jemand ganz außenstehendem zu reden. Seelsorgerinnen und Seelsorger sind genau dafür da und in der Regel offen dafür, wenn du sagst: „Ich brauche jemanden zum Reden.“ Viele Priester, Ordensleute und Seelsorger sind auch im Internet zu finden, auf Instagram oder anderswo – und auch da kann man sie in der Regel einfach anschreiben.

Wenn das alles irgendwie schwierig ist, dann gibt es – speziell für Jugendliche – auch ein gutes Angebot: Die Nummer gegen Kummer. Unter 116111 erreichst du von Montag bis Samstag Menschen, die dir zuhören und für dich da sind. Die Anrufe sind kostenlos und anonym. Und wenn dir reden eher schwerfällt kannst du dich dort auch per Mail oder im Chat melden. Alle Infos gibt es auf www.nummergegenkummer.de Das gilt übrigens nicht nur im Fall von Trauer, sondern auch bei allem anderen, was dich beschäftigt, worüber du dir Sorgen machst oder womit du alleine nicht klar kommst.

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