Ohne Liebe und Respekt kann es nicht gehen

Erfahrungen aus der Mission in Simbabwe
ein Interview mit Karel Mec OMI

Karel Mec stammt aus Prag und ist seit neun Jahren Oblate. Nach dem Studium hat er zwei Jahre im OMI-Jugendkloster in Fulda gelebt, bevor er als Missionar nach Simbabwe geschickt wurde. Seit einem Jahr lebt er nun dort.

Karel, wo lebst du jetzt?

Ich befinde mich gerade in Gokomere im zentral-südlichen Teil von Simbabwe. Zusammen mit einem einheimischen Oblatenpater kam ich in diese Gegend, um eine neue Mission namens Maraire zu eröffnen, die etwa 40 Kilometer von Gokomere entfernt so richtig im Busch liegt. Da die neue Missionsstation aufgrund der Coronakrise und der fehlenden Finanzen noch nicht fertiggebaut ist, können wir dort noch nicht wohnen. Die letzten notwendigen Bauarbeiten gehen in dieser Situation nur langsam voran. So müssen wir mehrmals in der Woche zwischen Gokomere und Maraire pendeln, um dort Gottesdienste zu feiern und uns mit den Gläubigen zu treffen.

Wie ist das mit den Sprachen?

Gar nicht einfach. Englisch wäre für mich ganz in Ordnung. Leider verstehen und sprechen nicht alle Menschen Englisch, auch wenn es die Amtssprache Simbabwes ist. So muss ich die einheimische Sprache Shona lernen. Und damit tue ich mich bislang ziemlich schwer.

Was bedeutet „missionarische Arbeit“ in Simbabwe?

So wird in Simbabwe Gottesdienst gefeiert, ganz einfach und im Schatten eines großen Baumes

Simbabwe ist seit mehreren Jahrzehnten ein überwiegend christliches Land. Missionsarbeit hier ist also keine große Bekehrungsarbeit. Was anders ist als in Europa, sind die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, z. B. die große Armut der Menschen: Es gibt viele Kinder, sehr viele Jugendliche wachsen ohne die Hoffnung auf eine Arbeitsstelle auf, in den Städten gibt es große Slums, auf dem Land riesige Entfernungen mit wenigen Menschen. An all diese Bedingungen müssen wir unsere missionarische Arbeit anpassen: Wir müssen lange Strecken überbrücken, manchmal große Hitze aushalten, mit platten Reifen mitten im Busch klarkommen, eine andere Mentalität und eine neue Sprache lernen. Oft ist das harte Arbeit. Dazu kommt aber auch z. B. eine riesige Freude der Einheimischen, wenn der Priester in ein weit entferntes Dorf kommt und die Eucharistie mit den Menschen feiert. Das erlebt man in Europa nicht.

Was ist der größte Unterschied zum Leben in Europa?

Das Leben in Europa ist bestimmt viel bequemer, dafür aber viel komplexer. Hier ist alles „einfach“: ganz einfacher Lebensstil, einfache Häuser (oft nur Hütten), einfache Speisen usw. Niemand hat es eilig. Alles funktioniert langsam und anders. Ohne eiserne Geduld würde ein Europäer bald verrückt.

Gibt es etwas, was viel besser ist, als du es dir vorgestellt hast?

Es hat mich noch nichts gefressen – das ist schon eine ganz positive Sache, oder? Generell gesagt, hatte ich bislang viel weniger gesundheitliche Probleme als erwartet. Positiv überrascht war ich auch davon, wie mich die Menschen hier angenommen haben. Sie sind sehr freundlich zu mir und respektvoll. Auf der anderen Seite muss das nicht unbedingt bedeuten, dass sie mich rückhaltlos mögen. Ein Weißer in Afrika bedeutet für viele Menschen automatisch Geld. Aber selbst davon habe ich bis jetzt nur sehr wenig erlebt.

Gab es auch etwas, was schlimmer war als erwartet?

Mein erster Eindruck, als ich nach Simbabwe kam, war in etwa so: O mein Gott, das sieht echt schlimm aus! Müll überall, auf den Straßen ein totales Verkehrschaos, Armut und Elend… Obwohl ich es aus dem Fernseher gekannt hatte, war es für mich doch ein Schock. Ich brauchte etwas Zeit, um mich daran zu gewöhnen. Jetzt kann ich selbst in dem Verkehrschaos Auto fahren.

Die wirtschaftliche und politische Lage ist schlimm und es geht immer noch mehr bergab.

Neben den Finanzen muss ich persönlich auch mit der Sprache kämpfen: Ich kann zwar die Texte der hl. Messe in Shona und meine übersetzte Predigt einigermaßen lesen, so dass die Menschen sie verstehen, aber sonst kann ich außer einer Begrüßung noch nichts Richtiges sagen. Englisch ist meine Rettung. Auf der anderen Seite, wenn ich Englisch benutze, strenge ich mich nicht an, auf Shona zu sprechen. Die Sprachen sind eine normale missionarische Herausforderung. Sie begleitet mich, seitdem ich bei den Oblaten bin. Dennoch fand ich Deutsch und Italienisch einfacher zu erlernen als Shona. Es braucht viel Geduld und Zeit. Man darf sich dadurch nicht entmutigen lassen.

Welches Erlebnis hat dich bisher am meisten verändert?

Jede Begegnung mit den Armen berührt mich zutiefst. Die Armut und das Elend der Menschen verändern mich dahingehend, dass ich sie noch mehr liebe.

Als Missionar in ein fremdes Land gehen – ist das nur was für „Abenteurer“? Kann das jeder machen?

Ja und nein. Ich glaube schon fest daran, dass, wenn Gott jemanden beruft, er ihm alles für seine Mission Notwendige mitgibt. Dennoch sind viele „Survival“-Fähigkeiten bei den Missionaren sehr willkommen (Kochen, Nähen, Reparieren, Erste Hilfe …). Aber viel wichtiger ist die Fähigkeit, die Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit zu lieben. Ohne Liebe und Respekt kann es gar nicht gehen.

Warum sollte ein junger Mensch in Europa sich auf einen solchen Weg machen?

Aus der Liebe zu Jesus, der zu allen Menschen kommen will und den man in den Armen begegnen kann. So eine Mission muss gar nicht in Afrika liegen. Alle Getauften sind Missionare. Aber einige von uns beruft Gott auf den besonderen Weg als Missionare/-innen ins Ausland. Manche junge Menschen hören auf Gott und öffnen ihm ihre Herzen. So entdecken sie, dass Gott sie einlädt, in die Mission zu gehen. Oft auch einfach „nur“ auf eine bestimmte Zeit, z. B. für ein Jahr. Das ist auch cool.

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