Die Narrenfreiheit nutzen – als Vertreterin der Jugend beim Synodalen Weg

Paulina Hauser (26) stammt aus Eiterfeld in der Nähe von Fulda. Schon als Jugendliche war sie in ihrer Heimatpfarrei bei den Messdienern und bei anderen Jugendveranstaltungen engagiert. Sie hat „Theologie und Wirtschaft“ in Erfurt und Rom studiert und arbeitet im Bistum Fulda als Referentin für Weltkirche und Freiwilligendienste im Ausland.

Paulina gehört als eine von 230 Mitgliedern zur Vollversammlung des Synodalen Weges. Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) durfte 15 Jugendvertreter für dieses Gremium benennen und Paulina ist eine davon. Wir haben mit ihr über ihre Erfahrungen beim ersten Treffen der Vollversammlung gesprochen.

Paulina, warum engagierst du dich als junger Mensch überhaupt in der Kirche?

Das ist eine gute Frage. Es hat tatsächlich erst mit der Firmung angefangen, weil ich mir da gesagt habe: entweder ganz oder gar nicht. Entweder ich glaube, aber dann hat es auch Konsequenzen für mein Leben, oder eben nicht. Da habe ich entschieden: Der Glaube ist etwas, was Bedeutung für mein Leben hat. So habe ich angefangen, mich für die Kirche zu interessieren und mich in der Kirche zu engagieren.
Heute ist es mir wichtig, den Glauben und das, was ich im Glauben und in der Kirche erfahren habe, weiterzugeben, und deshalb engagiere ich mich in der Kirche.

Wie bist du auf die Idee gekommen, dich für den Synodalen Weg zu bewerben?

Ich habe online gesehen, dass man sich bewerben kann. Die Kirche liegt mir am Herzen. Ich merke aber, dass man in vielen Gesprächen mit Leuten, die nicht in der Kirche sind, eher über Strukturen spricht und gar nicht erst dazu kommt, über den Glauben zu sprechen. Das ist der eine Grund, warum ich mich für den Synodalen Weg interessiere, weil mir die Zukunft der Kirche wichtig ist.
Das andere ist, dass ich mit vielen Leuten zu tun habe, die zur Kirche gehören, aber nicht in Verbänden wie dem BDKJ organisiert sind. Das trifft ja zum Beispiel auf die Ministranten zu. Das war für mich auch eine Motivation, dass sie auch repräsentiert sind. Auf diese Weise will ich auch zeigen, wie vielfältig das junge Engagement in der Kirche ist.

Zur Vollversammlung gehören Bischöfe, Professorinnen und Professoren, bekannte Vertreter der Kirche – hast du den Eindruck, als junger Mensch in so einer Versammlung etwas bewirken zu können?

Ich glaube, der Vorteil ist, dass man ein bisschen Narrenfreiheit hat. Viele von den Jugendvertretern haben das auch genutzt, indem sie einfach das rausgehauen haben, was ihnen auf der Zunge lag. Es ist allen dort klar, dass es nicht selbstverständlich ist, dass junge Leute in der Kirche sind und darum möchten die anderen wissen, was uns dort hält. Wir haben auch die Rückmeldung bekommen, dass es beeindruckend ist, wie engagiert und motiviert wir jungen Leute sind.

Das heißt, die Jugendvertreter haben dort wirklich etwas zu sagen?

Ganz klar: Ja. Jeder, der etwas sagen möchte, darf das auch. Das heißt, es müssen auch alle zuhören, egal, wer gerade redet. Man könnte natürlich demonstrativ den Raum verlassen *lacht*. Im Ernst: dadurch, dass es keine Sprechhierarchie gibt, werden wir wirklich gehört.
Auch die Sitzordnung trägt dazu bei. Wir sitzen ja in alphabetischer Reihenfolge und neben mir sitzen die beiden Weihbischöfe Reinhard Hauke (Erfurt) und Christoph Hegge (Münster). Die haben schon mal gefragt, wie ich bestimmte Dinge sehe oder erlebt habe. Gerade diese Gespräche am Rande hinterlassen auch etwas und haben eine Wirkung.
Ich erlebe deutlich, dass man unsere Generation beteiligen will, wenn es um die Zukunft der Kirche geht.

Wie hast du bei der ersten Vollversammlung die Atmosphäre erlebt?

Am Anfang war ich etwas skeptisch, weil ich den Eindruck hatte, die Gleichheit der Teilnehmer wurde konstruiert. Am Ende hat das aber wirklich eine große Offenheit erzeugt und die Begegnung auf Augenhöhe ermöglicht.
Es ist so, dass alle im gleichen Hotel schlafen, jeder muss beim Frühstück schauen, wo er noch einen freien Platz findet, die Sitzordnung in der Aula ist einfach alphabetisch – all das hat zu dieser Atmosphäre beigetragen. In den Diskussionen gab es eine große Ernsthaftigkeit. Viele haben betont, dass es nicht nur ein Gesprächsprozess bleiben darf, sondern dass es Entscheidungen geben muss, die Konsequenzen haben. Viele Beiträge waren auch sehr persönlich, was auch eine neue Ebene geschaffen hat. In den Medien sieht man oft nur die Extrempositionen, aber es war spannend, auch diejenigen zu erleben, die eher aus der Mitte des Meinungsspektrums kommen.

Gab es etwas, was dich überrascht hat?

Ich glaube, ich wusste vorher nicht, worauf ich mich wirklich einlasse. Darum war vieles überraschend für mich.
Negativ überrascht hat mich am Ende eigentlich vor allem die Besetzung der Foren, weil das völlig undurchsichtig war. Die Kriterien wurden erst recht spät bekannt gemacht. Klar, dass die Foren so besetzt werden, dass dort diejenigen sind, die sich in einem Bereich besonders gut auskennen. Andererseits ist es schade, dass ein großer Teil der Vollversammlung nicht in den Foren mitarbeitet. Vieles wird dann davon abhängen, wie in den kommenden Versammlungen weiter an den Themen gearbeitet wird.

Warum sollte ein junger Mensch sich für den Synodalen Weg interessieren?

Weil es um die Zukunft der Kirche geht! Ich glaube, dass viele junge Menschen sich eine solche offene Gesprächsatmosphäre, wie ich sie dort erlebt habe, auch in anderen Bereichen der Kirche wünschen würden.

Danke Paulina!

Mehr zum Synodalen Weg findet ihr übrigens hier: www.synodalerweg.de

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